Ich hatte nie Angst vor dem Zahnarzt. Als Kind sowieso nicht, denn man durfte sich ja nach jedem Besuch ein kleines Gummitierchen aus einer Dose aussuchen, die wie eine Schatzkiste aus 1001 Nacht aussah. Und selbst als mir in meiner Jugend acht Zähne während einer einzigen Behandlung und ohne Betäubung aufgebohrt wurden, um das heimtückische Amalgam zu entfernen, damit man Abdrücke für acht großartige, goldene Inlays anfertigen konnte, flößte mir das noch immer keine Angst vor dem Zahnarztbesuch ein! Selbstverständlich wollte ich auch, dass meine Kinder niemals Angst vor dem Zahnarzt haben sollten.

Ich nahm sie von klein auf immer mit, wenn ich zur Vorsorgeuntersuchung ging. Meine Tochter durfte dabei sogar gelegentlich auf meinem Schoß sitzen. Aber den Mund mit ihren paar Zähnchen darin wollte sie damals noch nicht öffnen und biss fest auf ihre Lippen. Das änderte sich im Laufe der folgenden Jahre: Selbst als der Zahnarzt ihr klar machte, dass sie nun endlich ihren geliebten Schnuller abgeben musste, zeigte sie Unbefangenheit und Vertrauen. Eigentlich war es sogar von Anfang an Sympathie für den Herrn Doktor, der so einfühlsam mit ihr redete.

Mein Sohnemann hatte allerdings anfangs etwas andere Erfahrungen: Sobald er im Zahnarztstuhl Platz genommen und die Ärztin ihn freundlich begrüßt hatte, stellte er die Atmung ein. Sein Gesicht lief rot an … „Vergiss nicht zu atmen!“, sagte ich. Und da schaltete sich Frau Doktor sofort fantasievoll ein: „Stell Dir vor, du würdest durch deinen Bauchnabel einen Luftballon aufpusten … Welche Farbe hat der Ballon? … Wie groß ist er jetzt? … Dann lass ihn nun fliegen! Wohin fliegt er? … Über die Stadt, über Dein Haus, über den Rhein …?“ Damit war auch meinem Sohn die Anspannung genommen. WIR haben keine Angst vor dem Zahnarzt! Franziska Lachnit (2019)