Endlich Frühling! Und unser Städtchen fühlt sich frühlich. Die Drei Heiligen Könige der Stadtfeste haben offenbar einen unbefristeten Vertrag mit dem Wettergott. Auch an diesem Wochenende wird gefeiert, und die Sonne lacht dazu. Früh am Tag dröhnt bereits die Stimme unserer Freundin durch die Straßen: „Hallo! Wo kommst du denn her? Ach, wir kennen uns doch!“, ruft sie unter ihrem Cowboyhut hervor.

Ja. Wir kennen uns. Zu meiner größeren Freude begegnet mir am Straßeneck mein Lieblingsnachbar. Mit ihm kann ich ein paar charmante Worte wechseln. Beim Bäcker schlängeln sich die Kunden ungeordnet vor der Theke. Der ein oder andere drängelt sich vor. Die übrigen schmunzeln dazu. Wochenende! Wir haben Zeit. Diese vergeht zwar, aber gemächlicher als an einem Montag. Der plötzliche Frühling verlockt gegen Mittag zu einem Spaziergang über die Insel.

Auf dem Rückweg trottet mir wippend der eilige Mann auf dem Marktplatz entgegen. Wie immer hat er es eigentlich nicht eilig, sondern nimmt gemächlich Platz vor dem Wirtshaus. Schon halb sechs? – denke ich überrascht. Schon Zeit für das erste Bier? – Nein. Heute gibt es Wein! Als ich an der Kirche vorbeigehe, höre ich wohlbekannte Klänge: die Mundharmonika. Dann begrüßt mich ein zahnloses Lachen mit den unausweichlichen Fragen „Wo gehst du hin?“ und „Kann ich mitkommen?“

Nach ein paar freundlichen Worten winke ich einen Abschiedsgruß und schlendere nach Hause. Später am Abend zieht es mich nochmal hinaus. Tatort Stammkneipe: Die Beteiligten sitzen mit sprachloser Spannung hinter ihrem Bierchen vor dem Fernseher. Abseits in der Ecke am Tresen entdecke ich einen weiteren Altbekannten. Hatte ich ihn nicht bereits heute Mittag beim Bier auf dem Marktplatz gesehen? Stimmt. Er schwankt schon beängstigend auf seinem Hocker. Und während ich ein zweites Bier bestelle, verabschiedet sich langsam und unbemerkt das Wochenende. Franziska Lachnit (2018)