KREIS: Bau preiswerter Wohnungen nimmt stark zu

In 2016 ist der soziale Wohnungsbau wieder erblüht.  Nach geringeren Aktivitäten über Jahre sorgte der Flüchtlingszustrom für die Erkenntnis, dass preiswertes Wohnen gebraucht wird und nicht in genügendem Maß zur Verfügung steht. Als nachhaltige Lösung boten sich öffentlich geförderte Wohnungen an, die nach Erfüllung ihrer Aufgabe zur Unterbringung Asylsuchender als sozial gebundene Angebote wirkungsvoll den Markt erweitern. Der Rhein-Sieg-Kreis handelte hier schneller als andere Regionen. Die Kommunen zogen mit. Darauf ist die Koalition von CDU und Grünen stolz, zumal die kreiseigene Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft GWG besonders effizient arbeitete und eine deutliche Vorreiterfunktion einnahm.

Hatte die GWG zwischen 2013 und 2015 insgesamt 78 Wohnungen fertiggestellt, so ist jetzt schon klar, dass es zwischen 2016 und 2018 mindestens mehr als 200 Wohnungen auf 16 Baustellen in acht Kommunen sein werden. Eine Bilanz, die sich absehbar noch erhöhen wird; denn der Trend ist ungebrochen. Mehrere weitere Projekte sind schon benannt. Gleichzeitig gaben die privaten Bauinvestoren ihre bisher ausnahmslose Distanz auf: Heute sind kreisweit wieder etwa ein Dutzend privater Firmen im sozialen Wohnungsbau aktiv. Innerhalb eines Jahres wurde eine veritable Erfolgsgeschichte geschrieben, deren Basis das gut geführte und rundum gesunde Unternehmen GWG ist. Dort sind etwa 3.000 Wohnungen im Bestand, dort sind Erfahrung und Kompetenz zuhause.

Dennoch war es wichtig, die Entwicklung eines Wohnraumkonzeptes in die Hand von Kreistag und Kreisverwaltung selbst zu legen. Denn für den sogenannten bezahlbaren Wohnraum gilt es, auch für die Zukunft günstige Förderungen abzusichern. Da ist der zweitgrößte Kreis mit seinem politischen Gewicht genau richtig, so etwas kann die GWG als regionales Unternehmen nicht. Wir setzen uns – falls nötig – für eine weitere Steigerung der bereits auf 1,1 Milliarden Euro erhöhten Landesmittel ein. Und wir wollen, dass die massiv erhöhten Bundesmittel wie bisher in NRW ausschließlich für Belange des Wohnungsbaus eingesetzt werden. Landrat Sebastian Schuster machte folgerichtig ein Wohnraumkonzept Rhein-Sieg zur Chefsache.

Kreiswirtschaftsförderer Dr. Hermann Tengler ordnet ein: “Wir brauchen ausreichend Wohnraum für alle Einkommensgruppen, um den jetzt schon hohen und weiter steigenden Bedarf von Wirtschaft und neuen Arbeitskräften erfüllen zu können.“ Die Aufsichtsrätin der GWG Sigrid Leitterstorf (CDU) mahnt eine Aktualisierung der Unternehmensstrategie an, um den geänderten Anforderungen auch zukünftig gerecht zu werden. Dabei legt sie besonderen Wert auf den Mix von gebundener und freier Finanzierung sowie auf die Eigenheimförderung. Die Bildung sozialer Ghettos soll von vornherein verhindert werden.

Burkard Hoffmeister (GRÜNE), ebenfalls GWG-Aufsichtsrat und Vorsitzender des dortigen Bauausschusses, achtet vor allem darauf, dass die Fördermittel auskömmlich bleiben. In 2016 kam man gerade hin und teilte insgesamt 44 Millionen Euro zu gleichen Teilen zwischen der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis auf. Ob diese Höhe und Verteilung auch zukünftig genügen, ob die in Aussicht gestellte Erhöhung der Landesmittel wirklich umgesetzt wird, wird die Koalition aufmerksam verfolgen.

Eines allerdings will sie beibehalten:  Zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus wurden die eigenen Finanzen des Kreises bisher nicht belastet. Das zu verteidigen und keinesfalls aufzugeben ist nicht nur regionales Finanzziel, sondern entspricht der grundsätzlichen Förderidee des sozialen Wohnungsbaus als spezifischem Beitrag von Land und Bund. Dann wären Erfolge auch weiterhin nicht zu Lasten anderer Aufgaben erkauft, sondern gründlich erarbeitet. rsk