Wunderwelten

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Eines Jugendzimmers, eines Schulranzens und anderer Räumlichkeiten oder Behältnisse, die unter der Obhut eines Jugendlichen stehen: Mutter betritt das Zimmer ihres – eigentlich nur wenig pubertären – Sohnes und findet immer wieder nette Überraschungen vor. Dass die stinkenden Socken vor dem Bett verteilt sind, ist für sie schon zum gewohnten Anblick geworden.

Sie sammelt diese dann gleichmütig auf und stopft sie zu den anderen Klamotten in die Waschmaschine. Selbstverständlich findet sie zu diesem Zweck auch noch hier und da weitere Kleidungsstücke. Alles Routine! Unangenehmer ist das Thema des Müllmanagements. Der Versuch, verschiedene – der Mülltrennung zuträgliche – Eimer aufzustellen, scheiterte bisher: Zwar wird der Müll brav getrennt, aber so lange in die Eimer geworfen, bis sie randvoll sind.

Dann häufen sich die Gummibärchentüten auf dem Fußboden. Dasselbe passiert mit zusammengeknüllten Taschentüchern und Bäckereitüten. Allerdings kann Mutter auch hier noch entspannten Gleichmut an den Tag legen. Aber, wenn sie unter dem Heizkörper vergessene, verschrumpelte Obstreste findet, beginnt das Fass der Geduld überzulaufen. Auch dass der Geschirrschrank im Laufe von ein paar Tagen immer leerer wird und sich Teller und Tassen verklebt-verkrustet in Sohnemanns Zimmer wiederfinden, kann Mutters Geduldsfaden schon mal reißen lassen.

Ein Blick in den Schulranzen vermag ähnliche Überraschungen hervorzurufen. Räumt sie die saubere Wäsche in die Schränke, rutscht ihr regelmäßig ein zerwühlter Stapel T-Shirts entgegen, den sie vorgestern ordentlich gefaltet hinterlassen hatte. Schmunzelnd denkt sie an die kürzlich geäußerte Verzweiflung ihres Sohnes: „Mama, ich weiß gar nicht, was ich machen soll, wenn ich mal allein wohne: Entweder ich komme fürs T-Shirt-Falten zu dir oder ich besorge mir ein Faltbrett!“ Franziska Lachnit (2018)