Von primitiven Anfängen bis zu Weltfirmen. Von Heinz Willi Fleischhacker   

Bad Honnef und die Stadtentwicklung

Obwohl als Nachbarn eng nebeneinander liegend, schauen Bad Honnef und Königswinter auf eine sehr unterschiedliche Entwicklung zurück. Bad Honnef musste sogar eine Zeitlang mit einem Königswinterer Bürgermeister vorlieb nehmen. Hier und in den kommenden Ausgaben werden wir die beiden Städte mit ihrer bewegten Geschichte beschreiben. Heinz-Willi Fleischhacker hat die Fakten zusammen gestellt und beginnt mit Bad Honnef.

Unsere Stadt wird wegen ihrer Lebens- und Wohnqualität gerühmt. Der Rhein mit der Insel Grafenwerth und das Siebengebirge umschließen als begnadete Landschaft unsere Stadt, die sich über Jahrhunderte hinweg ihre eigene Identität bewahrt hat. So nannte Alexander von Humboldt, der bekannte Weltreisende und Naturforscher, das Städtchen Honnef „das deutsche Nizza“.

Der Zuzug vermögender Bürger von Rhein und Ruhr leitete einen wirtschaftlichen Aufschwung ein. Ihre Häuser im Stile der Gründerzeit und des Historismus, passten sich dem damaligen Zeitgeschmack an. Sie verschönern heute unser Stadtbild. Kultur, Tradition und Sport, werden von den Bürgern mit viel Engagement gepflegt. Heilquellen verhalfen Honnef zur Anerkennung der Kur- und Badestadt. Weltfirmen hatten hier ihren Sitz und sind noch vereinzelt vertreten.

Die Anfänge der Gemeinde Honnef

Im Gegensatz zu ihren Nachbarorten Rheinbreitbach, Unkel, Linz, Königswinter, hat sich unsere Stadt nicht aus einem einzigen zusammengebauten Kern entwickelt. Das Gebiet der unsere Stadtgemeinde bildenden „Dörfer“ , war im 12. Jahrhundert Saynscher Besitz, der sich zur Herrschaft Löwenburg entwickelte. Nach ihrer Einverleibung in das Herzogtum Berg, wurde sie zum „Amt Löwenburg“ und die Dörfer zu „Honschaften“. Mag in der Frühzeit jede „Nachbarschaft“ der seschs „Honschaften Honnefs – ihre primitiven Aufgaben selbständig gelöst haben, so hat doch schon bald die Zugehörigkeit zu der einen Kirchengemeinde St. Johann Baptist und zu der einen Gerichtsgemeinde auch zur Bildung einer bürgerlichen „Samtgemeinde“ geführt. Alle diese Orte (Rhöndorf, Rommersdorf, Bondorf, Mühlheim, Beuel und Selhof zusammengenommen, bilden die Gemeinde Honnef.

Die Löwenburger Herrschaft

Schon unter den Löwenburgern war Honnef der Hauptort ihrer Herrschaft und blieb auch in der bergischen Zeit die „Metropole“, des Amtes Löwenburg. Hier tagte das Hauptgericht, das die schwersten Verbrechen abzuurteilen hatte und Berufungsinstanz für die Untergerichte des Amtes war. Die Herren von Löwenburg als Gerichtsherren bzw. die Amtmänner als deren Stellvertreter übernahmen mit der Leitung des Gerichts mehr oder minder die der Gemeinde Honnef.

Ihnen zur Seite trat das Kollegium der Schöffen(Scheffen). Die dargelegten Verhältnisse haben in Honnef bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bestanden. 1484 wurde das Löwenburger Ländchen dem Herzogtum Berg einverleibt.In der Napolionischen Zeit wurde das Großherzogtum neu organisiert. Honnef kam zum Rhein-Departement (größerer Verwaltungsbezirk ) mit dem Sitz in Düsseldorf und zum Arrondissment Mühlheim am Rhein. Dieser kleinere Bezirk gliederte sich in Kantone und „Mairien“ (Bürgermeistereien). Honnef hörte auf selbständige Gemeinde zu sein, und fiel mit Aegiedienberg, das bis dahin zur Gemeinde Honnef gehört hatte, an Kanton und Mairie Königswinter.

Seit 1811 gehörte Honnef zum neu gegründeten Friedensgericht Königswinter. 1815 Rheinland an Preußen Am 01.03.1815 fand durch die Niederlage bei Waterloo die napolionische Zeit ein endgültiges Ende. Es blieb die „Samtgemeinde Königswinter“ – in Abhängigkeit von ihr Honnef. Der Maire hieß nun wieder Bürgermeister. Seit 1814 hatte Clemens August Schäfer das Amt inne.Wie die meisten seiner Amtsgenossen, blieb er auf seinem Posten, als am 5. April 1815 Preußen das Rheinland offiziell in Besitz nahm. Mit Datum Schloss Babelsberg, den 14. Juli 1862 gez: Wilhelm, gez: Von Jagow wurden Honnef die Stadtrechte verliehen und Clemens Joseph Adams wurde zum Ersten Bürgermeister der Stadt Honnef gewählt.

In den 1870er Jahren bis zur Jahrhundertwende, erlebte die Villa Schaaffhausen ihre Glanzzeit. Auch Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm II., der im Jahre 1879 im Annatal eine Eiche pflanzte, die später den Namen „Kaisereiche“ erhielt, war dort zu Gast.

Persönlichkeiten Bad Honnefs

Dr. Konrad Adenauer, Erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Josef Kardinal Frings, Erzbischof von Köln, residierte zeitweilig in den Kriegsjahren in Rommersdorf und feierte u.a. in der St. Anna Kapelle die hl. Messen. Bürgermeister : Clemens Joseph Adams 1863 – 1876, Theodor Waechter 1889 – 1907.

Aufstieg und Niedergang 

Die Natur hat zu unserer wunderschönen Lage noch eins draufgelegt: die Heilquellen. Diese verhalfen Honnef zur Kur- und Badestadt aufzusteigen. Die Drachenquelle ist die erste und älteste Honnefer Quelle – Herr Weckbecker ließ diese 1897/98 erbohren. Zur Mineralwassergewinnung ließ die Stadt Bad Honnef 1936/37 den Brunnen auf der Rhein Insel Grafenwerth erbohren. Die Bad Honnef AG ließ zudem 1968 beim Edelhoffstift eine namensquelle erbohren. Die beiden Quellen Brunnen Grafenwerth und derjenigen im Edelhoffstift waren im ehemaligen Kurmittelzentrum durch ein ausgefeiltes Rohrsystem zusammengeführt. Dazu gab es noch den Aegidiusbrunnen, der 1983 und die Fürstenquelle, die 1989 erbohrt wurden. Die Kurklinik „Siebengebirge“ wurde als 122-Betten-Haus am 23.07.1960 ihrer Bestimmung übergeben. Am 05.06.1984 beschließt der Stadtrat den Verkauf der Klinik (heute Hotel Seminaris) Die Kurklinik „Drachenfels“ am 13.06. 1969 eröffnet. Dieses Gebäude (heute Parkresidenz auf dem Edelhoffstiftsgelände), hatte eine Kapazität von 240 Betten. Ab 01.04.1983 durch die BfA nicht mehr belegt, am 08.07. 1983 mit dem Gebäude des Edelhoffstifts an die Albrecht-Vermögensanlage -Verwaltungs-Gesellschaft verkauft. 1961 sollte Honnef die staatliche Anerkennung als Heilbad erhalten. Sie ist ihr am 30.Juni 1985 aberkannt worden.

Honnefer Weltfirmen

Penaten 1908 siedelte die pharmazeutische Fabrik Penaten von Dr. Max Riese von Düsseldorf nach Rhöndorf über und blieb dort bis 2000. Penaten: Dreiphasenschutz ist 3facher Schutz vor Wundsein, 1. Hautschutz, 2. Nässeschutz, 3. Wundschutz (Säuglings- Creme). Firma August Lepper – ABB Europas ältestes Werk für Haushalts- Waschvollautomaten. Die Firma August Lepper ist seit 1906 in Bad Honnef ansässig. Heute gehört das Werk zum internationalen Asea Brown Boveri-Konzem (ABB).Mit der Schuhfirma Birkenstock hatte eine weitere Weltmarke ihren Sitz in Bad Honnef. 1774 Johann Adam Birkensrock wurde als „Untertan und Schuhmacher in das kirchliche Archiv im hessischen Lagenberg eingetragen. Es folgten 1896 Konrad in Frankfurt, sein Sohn Carl 1913, der 1946 die Zentrale in Honnef ansiedelte, dessen Sohn Karl trat 1954 in die Firma ein. Anschließend folgten seine Söhne Alex, Christian und Stephan. Ausgelagerte Produktionsstätten 1974 Sankt Katharinen und 1997 Vettelschoß. Firma Geutebrück Sicherungsanlagen in Bad Honnef 1970 von Thomas Geutebrück gegründet. 1989 erfolgte der Umzug von Bad Honnef nach Windhagen mit mehr als 100 Mitarbeitern. 1999 wird Katharina Geutebrück Geschäftsführerin. 2012 geht Thomas Geutebrück in den Ruhestand und Christoph Hoffmann wird Mitgeschäftsführer, der mittlerweile 220 Mitarbeiter.

Foto: Archiv Christian Adams