30 Jahre nach dem Mauerfall

Am 9. November 1989 seien die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze von innen heraus geöffnet worden. „Das war ohne Zweifel das größte historische Glück, das wir in Deutschland erlebten“, so wertete Staatssekretär a. D. Friedhelm Ost dieses für die meisten Menschen so überraschende Ereignis. Ost, der als Zeitzeuge und damaliger Berater des Bundeskanzlers Kohl den Mitgliedern der Kolpingfamilie und der Senioren-Union Bad Honnef über die Zeit der Wende berichtete, blickte auf die DDR-Zeit zurück: Die deutsch-deutsche Grenze sei 1.378 km lang gewesen, mehr als 250 Menschen seien im Todesstreifen von DDR-Grenzern erschossen worden, viele tausend, die als Republikflüchtige festgenommen worden seien, hätten fürchterliche Zeiten in DDR-Zuchthäusern verbringen müssen.

„Unsere Landsleute in der DDR mussten, im real existierenden Sozialismus um’s Überleben kämpfen, viel von ihrer harten Arbeit an Moskau abliefern sowie im Arbeiter- und Bauernstaat vielfach unter der roten Diktatur leiden“, so der ehemalige Sprecher der Bundesregierung. Wer Anfang 1989 vorhergesagt hätte, das SED-Regime würde seine Macht verlieren, hätte hüben wie drüben nur ungläubiges Kopfschütteln geerntet. Viele im Westen und Osten hätten den Glauben an eine Wiedervereinigung längst aufgegeben.

Ost erinnerte jedoch daran, dass Helmut Kohl an dem großen Ziel der Einheit beharrlich festgehalten habe. Die Hilferufe aus der DDR hätten ihn immer bewegt. Er sei fest davon überzeugt gewesen, dass sich unsere Landsleute aus Ostdeutschland nach Freiheit und Einheit sehnten. Dennoch hätte sich sowohl bei dem Besuch von Honecker in Bonn im September 1987 als auch bei Kohls Verhandlung mit Michail Gorbatschow in Moskau im Herbst 1988 der Fall des Eisernen Vorhangs keineswegs angedeutet. Im Sommer 1989 habe es eine Fluchtbewegung aus der DDR in die bundesdeutschen Botschaften in Budapest und Prag gegeben. Die plumpe Fälschung der Kommunalwahlergebnisse durch die SED hätte viele DDR-Bürgerinnen und –Bürger so stark empört, dass einige dagegen demonstrierten. Am 9. Oktober 1989 hätten sich in vier Leipziger Kirchen einige tausend Menschen zum Montagsgebet versammelt. Als sie aus den Kirchen herausgekommen seien, hätten über 70.000 Menschen draußen skandiert: Wir sind das Volk! Sie hätten sich vor allem für Freiheit und Menschenrechte engagiert und Reformen in der DDR gefordert. Nicht wenige hätten indessen auch einfach aus der DDR heraus gewollt – in Richtung Westen. Nach der Abdankung von Erich Honecker hätte auch der Nachfolger Egon Krenz nichts mehr zur Rettung des SED-Regimes ausrichten können. Das Politbüro in Ostberlin sei völlig kopflos gewesen. Am 9. November sei das Brandenburger Tor von den Menschen in Ostberlin geöffnet worden. Staatssekretär a. D. Friedhelm Ost stellte rückblickend fest: „Unsere Landsleute hatten mit einer friedlichen Revolution die Fesseln der roten Diktatur gesprengt. Es war eine Revolution mit Gebeten, Kerzen und Gesängen, ohne dass auch nur ein Schuss aus den Gewehren von DDR-Soldaten fiel.“

Heute blickten rund 60 % der Westdeutschen mit Freude auf die Wiedervereinigung; in Ostdeutschland seien es sogar 63 %. Allerdings sei es notwendig, auch heute und morgen noch weitere Fortschritte auf dem Weg zur Einheit zu machen – mit mehr Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und vor allem gegenseitigem Verständnis sowie intensiven Begegnungen der Deutschen aus West- und Ostdeutschland.

In einem jetzt herausgegeben Buch mit dem Titel „30 Jahre Deutsche Einheit – Wir sind dabei gewesen“ berichten Zeitzeugen – u. a. auch die Honnefer Manfred Speck und Friedhelm Ost – über das historische Ereignis. fo

Das Buch:

Mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 wurde ein neues Kapitel deutscher Geschichte aufgeschlagen: Nach Jahrzehnten der Teilung wurde der Weg frei zur Vollendung der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 und zu einer neuen Weltordnung! Heute, 30  Jahre danach, bedarf es Zeitzeugen, um die dramatischen Ereignisse von damals lebendig werden zu lassen. Ihre Geschichten erinnern außerdem daran, dass alles auch ganz anders hätte kommen können. In diesem Buch kommen prominente Zeitzeugen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu Wort, die über ihre persönlichen Erfahrungen und ihre Rolle als Mitgestalter der Deutschen Einheit erzählen. Sie ziehen Bilanz und wagen einen Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen. Das historische Lehrstück der Deutschen Einheit bezeugt: Das Ringen um nationale Einheit, demokratische Freiheit, gelebte Rechtsstaatlichkeit und friedliches Zusammenleben brauchte einen langen Atem, ein mutiges Herz und einen kühlen Kopf. Dieses Buch zeigt vor allem eines: Eine lebendige Demokratie lebt von und mit engagierten Demokraten – damals wie heute!