Auf dem Mekong 

Wir tuckern über das lehmig braune Wasser des Mekong, mit einer angenehmen Brise des Fahrtwindes im Gesicht. Wasserhyazinthen treiben in kleinen Büscheln dahin sowie leider auch Abfall. Der Mekong ist machtvoll wie ein Mythos. Wasser, wohin das Auge blickt; Grün überwuchert die Ufer in der Ferne, und Menschen fügen sich hinein. Wir steuern gemächlich in den schwimmenden Markt.

Die Bootsdichte nimmt spürbar zu, und die Luft wird stickig von den Abgasen der Dieselmotoren. Was die einzelnen Händler anzubieten haben, hängen sie deutlich sichtbar an einen Mast: Süßkartoffeln, Melonen, Ananas, Kohl, Kokosnüsse usw. Wir sind hier unbeteiligte Zuschauer, bis plötzlich ein Händlerboot auf uns zusteuert und ein zweites uns ebenfalls ins Visier nimmt.

Unser Kapitän bleibt gelassen und fährt stoisch weiter. Die beiden kleinen Händlerboote kollidieren, so dass weder das eine noch das andere an uns anlegen kann, um Ware an uns zu verticken. Sie drehen ab. Aber damit ist die Angelegenheit nicht erledigt! Während wir unseren Kurs halten, kurven die Händler in einem großen Bogen um uns herum, und beginnen ihren Zweikampf: Man kreist umeinander; laut schimpfend. „Gleich schmeißt einer eine Kokosnuss!“ lautet unsere Prognose.

Die Männer steuern ihre Boote immer wieder im Kreis aufeinander zu; die Frauen beschimpfen sich hasserfüllt. Und, siehe da, jetzt fliegt tatsächlich die erste Kokosnuss! Einmal mit Werfen angefangen, fliegt nun eine Kokosnuss nach der anderen durch die Luft, und die meisten landen platschend im Wasser.

Welche Verschwendung! Der Höhepunkt ereignet sich, als eine der keifenden Rivalinnen ihre Hand wild über ihr Herz kreisen lässt und dabei anscheinend einen Fluch ausruft; glühender Hass versengt ihre Augen. Daraufhin wird abrupt der Kampf abgebrochen, und man tuckert seines Weges. Wir bleiben sprachlos zurück. Franziska Lachnit (2018)