Radverkehr in Bad Honnef

Ohne Hilfe kann sich Bad Honnef ein wirklich umfassendes Radverkehrskonzept kaum leisten. Es käme zu teuer. Zu teuer in der Planung, und die Kosten für die Realisierung von Maßnahmen würden realistische Rahmen gründlich sprengen. Der finanzielle Eigenanteil der Stadt – das, was Bad Honnef aus eigener Kasse zahlen müsste – wäre immens. Es braucht Unterstützung.

Die Chance darauf winkt jetzt. Ein neuer Bundeswettbewerb ist angesagt, der entsprechende Mittel auslobt. Mit so etwas hat die Stadt Erfahrung. Nicht weniger als die Erfahrung, zu den Gewinnern eines solchen Wettbewerbs zu gehören. So geschafft bei der Erarbeitung eines Online-Portals – stationären und Online-Handel zusammenführen – so erlebt in der Entwicklung dieses Ansatzes bis hin zur Dachmarke. Das ist noch nicht lange her.

Der neue Aufruf kommt eigentlich als alter Bekannter. Die dritte Auflage des Bundeswettbewerbs „Klimaschutz durch Radverkehr“. Mit dessen Wiedereröffnung war nicht unbedingt zu rechnen, denn es geht um ein großes Programm. Hier lassen sich umfangreiche Maßnahmen fördern. Gefragt sind ausdrücklich „mehr Radwege für sicheres Vorankommen, Stellplätze mit Ladestationen für Pedelecs. Radkuriere, die Pakete transportieren. Mehr Raum für klimafreundliche Zweirad-Mobilität.“ Das ist der Kanon, in dem sich Planungen und Projekte bewegen sollen.

Gefordert ist eine unmittelbare Minderung von Treibhausgasemissionen. Die Planung muss umfassend und integriert sein. Selbstverständlich kosteneffizient, aber auch „multiplizierbar“ – also öffentlich sichtbar, zum Vorzeigen, übertragbar, Andere zur Nachahmung motivierend. Neben der Reduzierung von Treibhausgasen und dem Vorbildcharakter ist Ziel, die Lebensqualität vor Ort zu verbessern. Die Anforderungen sind also sehr konkret. Was nicht heißt, sie wären locker zu erfüllen. Im Gegenteil muss präzise begründet werden; lokale Besonderheiten wie das Rheinufer sowie zusätzliche Argumente wie spezieller Nutzen für Naturschutz versprechen größeren Erfolg.

Bad Honnef kann solche Erwartungen erfüllen. Ein Steg entlang des Flusses zum Beispiel – aus Holz, auf Stelzen, meist ein paar zig Meter vom Wasser, kombiniert für Fußgänger und Radler, das dahinter liegende Ufer als grünes Band schützend – wäre so etwas Besonderes. Ideen gebend, motivierend, hoch attraktiv. Diese Maßnahme eingebunden in ein städtisches Gesamtkonzept für Radverkehr wäre ein „Leuchtturm“; im Verbund mit anderen Maßnahmen wie einer Pedelec-tauglichen Piste zwischen Aegidienberg und dem Tal wäre die Qualität der Planung sehr anschaulich. Erfolgversprechend.

In den bisherigen Auflagen des Wettbewerbs erhielten beispielsweise Erftstadt, Essen und Bad Hersfeld jeweils zwischen 0,8 bis 3 Millionen Euro Förderung. Mit solchen Größenordnungen lässt sich viel realisieren. Wenn dann noch die letzte Bedingung der Zusammenarbeit mit „anderen Akteuren“ erfüllt wird, rundet sich der Plan ab. Zum Beispiel über interkommunale Kooperation mit Königswinter und Unkel, um den Steg an die dortigen Promenaden anzuschließen und den Rheinsteig deutlich aufzuwerten. Zum Beispiel mit der neuen Erlebniswelt im Honnefer Süden bei ABB, BHAG und Blauer Sau.

Der Wettbewerb liegt nur kurz aus. Zwischen 15. Februar und 15. Mai. Es pressiert also, jene Projektskizze zu erarbeiten, die dann zum koordinierenden Forschungszentrum Jülich ginge und dort beurteilt würde. Ein Verfahren, das Bad Honnef kennt und kann. Mit Hilfe des Experten von „Region Köln/Bonn e.V.“ – genau wie letztes Mal beim Onlineportal. bh

Foto: Pixelio