Heute haben wir schon wieder einen ertappt: einen Fremdgänger; einen Untreuen.
Eigentlich ist es nämlich so, dass man zu ganz bestimmten Uhrzeiten ganz bestimmte Leute immer zuverlässig in denselben Lokalen antrifft.

Am Vormittag finden sich die rituellen Kaffeetrinker und Zeitungsleser im Café „am Platz“ ein. Sucht man bekannte Gesellschaft für sich und seinen Kaffee, so wird man hier ziemlich sicher fündig. Später, also gegen 12.00 Uhr, während ich selbst immer noch überlege, was ich frühstücken soll, sitzt der erste Biertrinker (in dem Fall immerhin alkoholfrei!) bereits auf dem Marktplatz. Selbstverständlich da, wo er immer sitzt. Und er bleibt nicht lange allein. Auch jetzt gilt: Wer Gesellschaft sucht, weiß, wohin er gehen muss, um ein vertrautes Gesicht zu treffen. Langsam wird es Zeit fürs Mittagessen. Und wie gehabt, beobachtet man, dass sich die immer selben Personen wie ferngesteuert zum immer selben Lokal bewegen. Was treibt sie so beharrlich dahin? Sture Gewohnheit?

Tiefes Vertrauen? Verzweifelte Ideenlosigkeit? Lebenslange Treue? … Wer weiß? So ca. gegen 17.00 Uhr füllt sich schlagartig und stetig die beschauliche City mit den Treuen.
Zeig mir ein Foto eines Lokalgängers, und ich sag‘ Dir, wo er sitzt! – Dachte ich. Aber seit einiger Zeit schleichen sich Fremdgänger, Untreue dazwischen: „Was macht DER denn HIER?“ … „Der isst / trinkt doch sonst IMMER da-und-da!“ Beim ersten Fremdgänger, der mir auffiel, dachte ich noch an eine Art Unfall. Aber dann häuften sich die „Unfälle“ … Ein bisschen erschrocken war ich; mein Verständnis dieser, unserer heimeligen Kleinstadt bröckelte ein wenig … aber … ganz ehrlich: Alles ist im Wandel! – und sogar ein Stammgast wechselt gelegentlich den Baum. Und das ist gut so.