Im Schatten einer ARD-Dokumentation über den bekannten Bonner Kinderpsychiater Dr. Michael Winterhoff gerät nun erneut ein im Rheinstädtchen Unkel betriebenes, familienanaloges Kinderheim in die Kritik. Der Vorwurf: Dutzende von Kindern, von denen die meisten in Jugendhilfe- Einrichtungen lebten, sollen von dem inzwischen sehr umstrittenen Kinderpsychiater über lange Zeiträume mit umstrittenen Medikamenten behandelt worden sein. Darunter auch zahlreiche Kinder aus dem Unkeler Kinderheim. Dabei dürfte die mit als “Dutzende“ beschriebene Anzahl der betroffenen Kinder eine Untertreibung sondergleichen sein, und bei genauer Betrachtung der aktuellen Vorwürfe über den Medikamentenmissbrauch an Kindern, ein gewisses Déjà-vu aufkeimen. Man erinnere sich: 

Schon am 12.12.2011 griff die Bad Honnefer Wochenzeitung (HWZ) unter dem Titel “Nächster Kinderheimskandal ?“ erstmalig diese Thema auf und setzte es dann, nach ausführlicher Recherche, am 04.05.2012 in Ausgabe 299, fort. 

Damals wurde durch ehemalige Mitarbeiter*Innen einer familienanalogen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, mit Häusern in Unkel und Bad Honnef, ein mehr als fragwürdiger Umgang mit Betäubungsmittel und Psychopharmaka angeprangert und grundsätzlich die Frage gestellt, was Medikamente wie Pipamperon, Risperdon oder Medikinet in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung zu suchen haben. Ebenso stellte sich nach Einsicht in einen Medikamentierungsplan, (schon seinerzeit der HWZ vorliegend), die Frage, was es mit einer Dauermedikamentierung von erst 3-jährigen Kindern auf sich hat. Aber kritische, detaillierte Nachfragen bezüglich Notwendigkeit und Umgang mit solchen Medikamenten bei Landesjugendämtern, die als sogenannte Heimaufsicht für diese Einrichtungen als zuständig erscheinen, waren damals offenbar unerwünscht. Dem entsprechend fielen auch die Antworten dieser Ämter aus: „Die ärztliche Behandlung sowie eine fachgemäße und verantwortliche Verordnung von therapeutischen Maßnahmen für Kinder- und Jugendliche unterliegen nicht der Aufsicht des Landesjugendamtes. Von daher können wir zu Ihren Detailfragen zu medizinischen Interventionen keine Auskunft geben.“ 

Schlussendlich wurden damals unisono die in den Raum gestellten Vorwürfe als eine Reaktion von frustrierten bzw. ehemaligen Mitarbeiterinnen gewertet. Sie mündeten sogar in einer Aussage gegenüber dem Verfasser: „Diese Vorwürfe, sowie die damit verbundene mediale Berichterstattung, schadet letztendlich den Kindern!“ 

Über zehn Jahre sind seit damals vergangen. Und wenn der zuvor angesprochene Medikamentierungsplan in der Unkeler Einrichtung 8 von 8 Kinder (alles Mädchen) unterschiedlichen Alters aufweist, welche sich zu dieser Zeit in der “Obhut“ dieser Einrichtung befanden und unisono Tag für Tag mit Pipamperon “behandelt“ wurden, kann man sich leicht ausrechnen, dass es sich in der Gesamtheit gesehen um mehr als nur “Dutzende“ von Kinder gehandelt haben muss. Und man erkennt, wie lange dieser Medikamentenmissbrauch an Kindern schon konsequenzlos, frei jeglicher Kontrolle, von einem gewissenlosen Personenkreis praktiziert werden konnte. Und will man auch heute, nach erneutem Bekanntwerden all dieser Vorgänge, wieder von einer Reaktion frustrierter bzw. ehemaliger Mitarbeiterinnen reden? Es wird Zeit, dass auch hier bald mal eine Staatsanwaltschaft tätig wird. 

Harald Hallerbach / Foto: Pixelio, Jens Goezke