Präsentiert wurde die neue Monarchin im Kelterhaus des Königswinterer Jesuiter Hof. Im ehrwürdigen, 1695 errichten Gebäude fiel die Jugend Jessica Gottsauners (Foto m.) besonders auf. Die Tradition von Wein und Weinbau bildet einen starken Kontrast zu modernem Konsum und Genuss, genau dieser Kontrast aber bringt Elemente von Lebensart und Kultur ganz augenfällig zusammen. Einiges lässt sich hineininterpretieren, doch die Vielfalt der Zugänge, Gefühle, Sentimentalitäten beim Thema Wein entzieht sich jedes Mal wieder einer verbindlichen Linie. Wein trinken, Wein besprechen, Weinseligkeit – es bleibt stets Raum zum persönlichen Erlebnis.

Die Mittelrheinweinkönigin ist in der Tat eine überzeugende Person. Eine junge Frau, gerade 20 Jahre alt. Unaufgeregt, souverän, in sich selbst ruhend. Warum hat sie die Aufgabe übernommen? „Vor allem weil ich Spaß daran habe.“ Jessica Gottsauner setzte sich gegen Mitkonkurrentinnen durch, die alle älter als sie und jetzt ihre assistierenden „Prinzessinnen“ sind. Selbstverständlich weiß sie auch viel über Wein; so viel, dass sich manch älterer Kenner anstrengen muss. Dabei wendet Jessica Gottsauner ihre Fähigkeiten in einer natürlichen Bescheidenheit an, die sie zur Repräsentantin der Region so geeignet macht. Ja, sie hat die Vision, ihre Heimat Anderen näher zu bringen – und weiß auch sonst, was von ihr erwartet wird.

Keineswegs ist es gang und gäbe, dass die Weinkönigin des Mittelrheins aus dem Siebengebirge kommt. Denn in der Branche bekanntere Orte wie St. Goar, Bacharach, Oberwesel, Boppard und Koblenz konkurrieren. Der Mittelrhein reicht eben von der Nahe- bis zur Siegmündung, von Bingen bis Bonn. Das Siebengebirge ist da eher nördlicher Appendix, klein und über lange Zeit auch nicht immer fein im öffentlichen Konsumentenbewusstsein. Hier liegen die einzigen Wingerts in Nordrheinwestfalen, und dennoch werden im Düsseldorfer Landtag ausländische Modeweine kredenzt, und dennoch brauchte selbst die Drachenburg vor Ort sehr lange, um hiesigen Produkten auch nur angemessenen Raum zu widmen. Als wenn es  eine Entwicklung zu verschlafen galt, an deren Ende zum Beispiel das Weingut Pieper 2018 Auszeichnungen erhält von Gaut & Millau, Vinunm Weinguide und Falstaff Weinguide.

Im Jesuiter Hof, dem Hauptquartier der Pieper Winzerfamilie, wohnten 30 bis 40 geladene Gäste der Präsentation bei. Schnittchen und Wein waren auf hohem Niveau, die Reden nicht immer. Königswinters Bürgermeister Peter Wirtz allerdings brachte es exakt auf den Punkt, als er den Stolz des Siebengebirges verband mit dem Engagement, der Aufgabe und den Fähigkeiten der Weinkönigin. Und die tritt ihren Dienst jetzt an. Etwa hundert Termine wird sie absolvieren, im Herbst antreten zur Wahl der Deutschen Weinkönigin. Zweimal war Jessica Gottsauner Weinkönigin in Rhöndorf, nun ist sie regionale Regentin. Das frühe Ehrenamt mag dazu beigetragen haben, dass sie Jugend und Persönlichkeit beeindruckend verbindet. Sie wird eine gute Botschafterin sein. bh