Adenauers jüngste Tochter

Sie war die junge, hübsche und patente Dame an des Kanzlers Seite. Oft begleitete Libet Werhahn ihren Vater Konrad Adenauer auf seinen Reisen und Staatsbesuchen – ob etwa zur Familie Kennedy ins Weiße Haus nach Washington und zu einer Papstaudienz nach Rom oder als Tischdame des Schahs von Persien und bei den ausgedehnten Arbeitsurlauben in Cadenabbia. Vielen ist ihr fröhliches Gesicht aus den frühen Jahren der Bundesrepublik Deutschland bis heute in Erinnerung.

Am 3. Februar 2019 verstarb Libet Werhahn im Alter von 90 Jahren in Neuss. Auch im Gedächtnis der Rhöndorfer hat die jüngste Kanzlertochter einen festen Platz. Mit acht Jahren kam sie 1935 mit ihren Eltern in den kleinen Winzerort. Der 1933 von den Nationalsozialisten entlassene Kölner Oberbürgermeister hatte für sich und seine Familie eine ruhige, neue Heimat gesucht, in der er keinen politischen Anfeindungen ausgesetzt war. In Rhöndorf sollte er sie finden.

Zunächst in einem gemieteten Haus im Löwenburger Tal, dann im eigenen Neubau am Zennigsweg fühlte sich Tochter Libet wohl und als Teil der Dorfgemeinschaft akzeptiert. Gemeinsam mit ihren Geschwistern und den Spielkameraden aus der Nachbarschaft wuchs sie heran, besuchte anfangs die Rhöndorfer Grundschule, bevor sie dann auf die Klosterschule der Franziskanerinnen nach Nonnenwerth und später nach Bonn-Pützchen wechselte.

In Rhöndorf lernte Libet Adenauer 1947 auch Hermann Josef Werhahn kennen. Der Industriellensohn aus Neuss war kurz zuvor aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrt und weilte mit seiner Mutter zum Erholungsurlaub im Hotel Wolkenburg. Bei einem musikalischen Abend im Hause Adenauer kamen sich die beiden näher. Nach der Hochzeit 1950 in Maria Laach folgte Libet Werhahn ihrem Mann nach Neuss und gründete ihre eigene Familie mit fünf Kindern.

Mit viel Freude und Neugier begleitete sie ihren Vater auf Reisen und Urlauben und meisterte gleichzeitig auch die Herausforderungen für das eigene Familienleben. Dabei war hilfreich, dass sich Libet mit ihren älteren Schwestern Ria Reiners (1912–1998) und Lotte Multhaupt (1925–2018) abwechseln konnte. Über die gemeinsam verbrachte Zeit hinaus verband Libet Werhahn so manches mit ihrem Vater.

In ihrer warmherzigen und charmanten Art erinnerte sie an ihre Mutter Gussie, hatte zugleich aber auch viel starken Willen und kluge Urteilskraft, Courage und Schlagfertigkeit vom Vater geerbt. Auch der Sinn für das Politische hinterließ Spuren bei der Tochter, die sich nicht zuletzt viele Jahre selbst in der Neusser Kommunalpolitik engagierte.

Ihrem Rhöndorfer Elternhaus blieb Libet Werhahn zeitlebens eng verbunden. Nach dem Tod des Vaters schenkte sie gemeinsam mit ihren sechs Geschwistern 1967 das Wohnhaus und den Nachlass der Bundesrepublik Deutschland und ermöglichte so die Errichtung der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, die seither mit ihrem Archiv, ihrer Forschungsarbeit und dem Museum das Andenken an den ersten Bundeskanzler lebendig hält.

Über vier Jahrzehnte begleitete Libet Werhahn den Aufbau und die Entwicklung der Stiftung, bis sie ihre Aufgabe im Kuratorium der nächsten Generation überließ. Es war ihr immer wichtig, das Adenauerhaus mit Leben zu füllen. In vielen Veranstaltungen und Interviews erzählte sie von ihrem Vater, und auch an der Eröffnung der neuen Dauerausstellung 2017 nahm sie regen Anteil. Solange es ihre Gesundheit erlaubte, fehlte Libet Werhahn nie bei den traditionellen Familientreffen am zweiten Weihnachtsfeiertag. Besonders am Herzen lag ihr der Garten.

Zum Ausbau der Terrassierung hatte ihr Vater einst Steine am Rhein gesammelt, die die Kinder mit einem Bollerwagen zum Haus transportierten. Auch sonst musste der Nachwuchs kräftig mit anpacken. Jeder bekam ein eigenes Beet, auf dem Gemüse angebaut wurde. Gemeinsam halfen sie bei der Ernte an den vielen Obstbäumen und Beerensträuchern. Manch alter Nuss- und Kirschbaum aus dieser Zeit steht bis heute in Adenauers Garten. Seit Mitte der 1950er Jahren umgibt das Haus aber vor allem ein Ziergarten mit einer bunten Vielfalt von Rosen und blühenden Stauden, Büschen und Bäumen. Er trägt bis heute die Handschrift Konrad Adenauers und Libet Werhahns. cf

Fotos:

1)      Libet Werhahn, 2017: „© Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. / Juliane Liebers“

2)      Historisches Bild vom Comer See, 1958: „© Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. / Guiseppe Moro“