„Haus am See … Orangenbaumblätter auf dem Weg … ich hab zwanzig Kinder, meine Frau ist schön …“ singt Peter Fox – Ich swinge mit und wünsche mich in das Haus am See. – Dann waren wir da! Allerdings nicht mit zwanzig Kindern und nur in einer Wohnung. Und es gab keine Orangenbaumblätter, denn es war Winter. Aber am See! In den ersten Tagen sauste uns ein scharfer Wind um die Ohren, so dass der See einem wild gewordenen Ozean glich. Ein einsames Boot am Steg schwanke auf und ab – immer wieder kurz davor, sich loszureißen. Die Enten versteckten sich am Uferrand im Schilf, und auch kein anderer Vogel traute sich, in Erscheinung zu treten. Nach zwei Tagen flaute die Brise ab. Der See lag plötzlich blank und unschuldig da – so als wäre nichts gewesen. Das lockte endlich die Vögel aus ihrem Versteck: Enten, Schwäne, Haubentaucher … Die Enten ließen schon früh am Morgen ihren schnatternden Ruf ertönen. Der elegante Schwan – gründelnd Kopf und Hals ins Wasser getaucht – sah aus wie eine plumpe Boje aus weißem Schaumstoff. Die Haubentaucher verschwanden plötzlich und erschienen erst Minuten später wieder an der Wasseroberfläche. Jeden Tag und zu jeder Stunde bot uns der See ein anderes Bild: Morgens blinzelte die Sonne auf das gegenüberliegende Ufer und tauchte es in einen goldenen Schimmer – verheißungsvoll. Mittags wogte die Wasseroberfläche gemächlich und bleiern. Bei Sonnenuntergang wechselten Stimmung und Farben von Minute zu Minute: Romantisches Pastell.  Feuriges Gelb-Orange. Sanftmütiges Hellblau, das dann gemächlich in beruhigendes Dunkelblau hinüber glitt. Dann tauchte alles – der See, das Ufer, der Wald, der Himmel in tiefes Schwarz. Es zog einen in die Nacht, in den Schlaf … und erst, wenn man Stunden später nochmal erwachte, sah man die vielen Lichter am dunklen Himmel – Sterne, die uns immer begleiten. Franziska Lachnit (2018)